CAPERNAUM – Stadt der Hoffnung

Auf dem schmalen Grat zwischen erschütterndem Sozialrealismus und marktschreierischer Ausbeutung von Elend bewegt sich die libanesische Regisseurin Nadine Labaki mit ihrem dritten Film „Capernaum – Stadt der Hoffnung“. Seit seiner Premiere in Cannes vielfach ausgezeichnet, dürfte das harsche Sozialdrama auch in Deutschland viele Diskussionen auslösen, denn er beschäftigt sich auf radikale Weise mit dem Problem der Überbevölkerung.

Zain (Zain Al Rafeea) ist vielleicht zwölf Jahre alt, so genau kann man das nicht sagen, denn er sieht zwar deutlich jünger aus, agiert aber viel erwachsener und so gar nicht wie das Kind, das er eigentlich noch ist. Kein Wunder, hat er sein Leben doch auf den Straßen von Beirut verbracht, schon früh gelernt, sich alleine durchzuschlagen, zu leben, zu überleben. Als eines von viel zu vielen Kindern seiner Eltern (Kawthar Al Haddad und Fadi Kamel Youssef) musste er mitansehen, wie seine noch jüngere Schwester Sahar (Cedra Izam) verkauft wurde: Für den Preis von ein paar Hühnern, vor allem aber, da so ein Maul weniger zu stopfen war.

Da hatte Zain genug und haute ab, schlug sich allein durch, bis er in der äthiopischen Putzfrau Rahil (Yordanos Shiferaw) endlich einmal eine freundliche Seele kennenlernte. Doch auch Rahil verschwand eines Tages und so kümmerte sich Zain um Rahils kleinen Sohn Yonas (Boluwatife Treasure Bankole), der jedoch bald die Gier von Menschenhändlern erregte.