DER FLOHMARKT VON MADAME CLAIRE

Anders, als der Titel erwarten lässt, ist dies ein Melodram, auch wenn anfangs eine gewisse Leichtigkeit vorherrscht. Im Mittelpunkt steht Claire Darling, eine alte Dame, die sich in den Kopf gesetzt hat, ihr gesamtes Hab und Gut zu verkaufen. Auf unterschiedlichen Zeitebenen enthüllt sich nach und nach Claires tragische Geschichte. Catherine Deneuve spielt die Madame Claire mit würdevoller Eleganz, ihre Tochter im Leben, Chiara Mastroianni, ist auch die Tochter im Film, und die beiden Stars gemeinsam spielen zu sehen, ist ein echtes Erlebnis. Angesichts der grandiosen Besetzung und einer sehr liebevollen Ausstattung rückt die dramaturgische Gestaltung etwas in den Hintergrund.

Madame Claire ist nicht mehr die Jüngste. Sie lebt allein in einem herrschaftlichen Haus auf dem Lande, umgeben von Erinnerungsstücken und Antiquitäten – manches sieht schon auf den ersten Blick teuer aus, darunter mechanisches Spielzeug und alte Uhren. Da Madame Claire davon überzeugt ist, den nächsten Tag nicht mehr zu erleben, trägt sie mit Hilfe einiger junger Männer aus dem Dorf ihren ganzen Hausrat einschließlich der Möbel, Gemälde, Teppiche, Puppen und Bücher in den Hof, sie hängt ein Schild ans Tor und wartet auf Kundschaft. Die lässt nicht lange auf sich warten; es spricht sich schnell herum, dass hier wertvolle Sammlerstücke verschleudert werden. Sogar Madame Claires Tochter Marie reist an, weil eine Schulfreundin sie zu Hilfe gerufen hat, die sich Sorgen um die alte Dame macht. Marie und Claire hatten viele Jahre keinen Kontakt. Ihr Verhältnis ist offensichtlich gestört. Während sich die Besucher um die Schnäppchen streiten, gehen Claire und Marie, jede für sich, auf eine Reise in die Vergangenheit, die schmerzhafte Erinnerungen weckt, aber letztlich vielleicht doch dazu führt, dass sich Mutter und Tochter wieder einander nähern können.

Das Aufräumen im Haus wird hier zum Frühjahrsputz der Seele – eine schöne literarische Idee. So beruht das Drehbuch auch auf einem Roman von Lynda Rutledge, der bisher offenbar nicht ins Deutsche übersetzt ist: „Faith Bass Darling’s Last Garage Sale“, wobei die Handlung nach Frankreich verlegt wurde. Wenn Madame Claire die Erinnerungen an die Vergangenheit hinausstellt und damit los werden will, dann hat das etwas Kathartisches, es ist ein Symbol der Reinigung, ein Akt der Befreiung. Das Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ lockt zudem die eigene Tochter an, was vielleicht beabsichtigt ist. Die Liebe zu den Dingen spielt nicht nur bei Mutter und Tochter eine große Rolle. Neben den Schnäppchenjägern gibt es ein kleines Mädchen, das – unbemerkt von den anderen – Sachen abtransportiert und wie auf einem Altar sammelt. Das Kind interessiert sich nicht für den materiellen Wert, und es scheint mehr mit den Fundstücken zu verbinden als die meisten der gierigen Flohmarktbesucher, die Marie schließlich aussperrt. Vielleicht ist dieses Mädchen eine Claire in jungen Jahren? Damit träfe die Gegenwart auf die Vergangenheit, was gleichzeitig Hoffnungen für die Zukunft weckt.