DER MARKTGERECHTE PATIENT

Vorstellungen

Freitag
10. Januar

20:00

Sonntag
12. Januar

17:30

Kino mit Gästen: Kreisverband Die Linke GT.

Aktuell beklagen fast alle Parteien den Pflegenotstand. Dabei bleibt meist unerwähnt, dass die Schieflage hausgemacht ist. Die Ursache liegt in den 2003 eingeführten Fallpauschalen, die für sämtliche Diagnosen eine fixe Entlohnung festlegen und die Kommerzialisierung privater wie öffentlicher Klinikbetriebe befördern, was kaum zur ärztlichen Fürsorgepflicht passt. In ihrer empörten Dokumentation „Der marktgerechte Patient“ zeigen Leslie Franke und Herdolor Lorenz („What Makes Money“) die prekären Zustände auf. Der programmatische Zusatztitel trifft den Tenor der Bestandsaufnahme: „In der Krankenhausfabrik“.

Die Szene könnte von Franz Kafka stammen: Ein Mann wird mit Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Stundenlang liegt er ohne ärztlichen Beistand im Zimmer. Auf Nachfrage der Ehefrau erklärt ein Arzt im Vorbeigehen, dass er um 16 Uhr nach dem Patienten schaut. Um Viertel nach vier erfährt die Frau, dass der Arzt nicht mehr im Haus ist. Stattdessen legt eine Vertretungsärztin dem Mann eine Antibiotika-Infusion und übersieht seine blau angelaufenen Lippen und Fingernägel. Später am Abend geht alles ganz schnell. Zwei Ärzte verlegen den Kranken auf die Intensivstation. Die Ehefrau und der zwischenzeitig eingetroffene Sohn erfahren von seinen geringen Überlebenschancen. Am Folgetag ist der Mann tot. Eine Diagnose haben die Angehörigen im gesamten Zeitraum nicht erhalten.

Die Gesundheitspolitik der letzten Regierungen hat die Situation der Beschäftigten und Patient*innen immer weiter verschärft. Mit der Einführung der Fallpauschalen wurde der Mensch zum Kostenfaktor. Wer die Personal-, Sach- und Organisationskosten reduziert und die Kranken schnell abfertigt, macht Gewinn. Die Frage ist nicht mehr, was Patientin und Patient brauchen, sondern was bringt er. Viele Ärzt*innen und noch mehr Pfleger*innen wollen und können in diesem System nicht mehr arbeiten, ohne selbst krank zu werden. Während an Personal und Patient*innen gespart wird und Versicherte steigende Kosten tragen müssen, machen Pharmaindustrie und Krankenhauskonzerne Milliardenprofite. Einer der Gewinner ist die Rhön-Klinikum AG. In deren Aufsichtsrat sitzt Brigitte Mohn, zugleich Mitglied im Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Bereits 2008 bemängelte die Journalistin und Politikerin Julika Sandt den zunehmenden Einfluss der Bertelsmann Stiftung auf das deutsche Gesundheitswesen zugunsten privatisierter Kliniken und medizinischer Versorgungszentren.