DER MAURETANIER

Vorstellungen

Freitag
09. Juli

20:15

Samstag
10. Juli

20:15

Sonntag
11. Juli

20:15

Montag
12. Juli

20:15

Sommerfilmtage 2021.

Guantanamo. Kaum etwas beschreibt das moralische Versagen der USA so sehr wie das Lager auf Kuba, in dem angebliche Terroristen Jahrelang weggesperrt wurden. Unter ihnen Mohamedou Ould Slahi, dessen Schicksal Kevin Macdonald in „Der Mauretanier“ als Mischung aus Dokudrama, Gerichtsfilm und moralischem Pamphlet verfilmt – mit u.a. Jodie Foster und Benedict Cumberbatch.

Im November 2001, zwei Monate nach den Anschlägen vom elften September, wurde Mohamedou Ould Slahi (Tahar Raim) in seiner mauretanischen Heimat verhaftet. Erst 15 Jahre später wurde er frei gelassen und das, obwohl im eine Schuld, eine Verbindung zu den Anschlägen, nie nachgewiesen werden konnte. Ob Slahi tatsächlich vollständig unschuldig ist, ist eine offene Frage, die Kevin Macdonalds filmt in allzu großer Vorsicht umschifft, auch wenn sie unmittelbar zum moralischen Kern von „Der Mauretanier“ führt. Denn auch wenn Slahi, wie angedeutet wird, in jüngeren Jahren Verbindungen zu Al Qaida hatte, auch wenn die Geldflüsse zwischen seiner Hamburger Wahlheimat und Mauretanien bzw. Afghanistan tatsächlich nicht zur Unterstützung seiner Eltern, sondern des Dschihad flossen: Was in Guantanamo und anderen amerikanischen bzw. von den Amerikanern kontrollierten Gefängnissen geschah steht all den Werten entgegen, für die Amerika angeblich steht und in den Krieg zieht.

Habeas Corpus heißt das Stichwort, das in allen Rechtssystemen verbriefte Grundrecht, dass jeder Gefangene in akzeptabler Zeit einem Richter vorgeführt wird und erfährt, wie die Anklage lautet. Genau dieses fundamentale Recht hat Amerika mit Füßen getreten, hat Menschen, die dem Bild des Terroristen entsprachen, eingesperrt, hat unter Folter Geständnisse erpresst und sich jahrelang geweigert, tatsächlich Prozesse zu beginnen.
Doch auch in Amerika gab es Anwälte, die diesen rechtlichen und moralischen Skandal nicht mit ansehen wollten und den langen Weg durch die Institutionen und Instanzen begannen. Nicht um speziell diesem oder jenem Gefangenen zu helfen, sondern um das Rechtssystem als Ganzes zu bewahren. Eine dieser Anwälte war Nancy Hollander (Jodie Foster), die durch Zufall von Mohamedou Ould Slahi erfuhr und begann, ihn pro bono, also ohne Bezahlung zu verteidigen. Ihr Gegenüber stand Lt. Col. Stuart Couch (Benedict Cumberbatch), der Ankläger der Regierung, der vielleicht nicht zufällig mit dem Fall betraut wurde. Ein guter Freund Couchs war an Bord des Flugzeugs, dass in den Südturm des World Trade Centers gelenkt wurde, eine persönliche Ebene, die den bekennenden Christen jedoch nicht davon abhielt, das Unrecht zu erkennen, zu dessen Teil er zu werden drohte. Was – dramaturgisch gesprochen – dazu führt, dass beide Seiten letztlich die Freilassung Slahis befürworten.