DIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS

Vorstellungen

Samstag
16. November

17:30

Sommerfilmtage am Donnerstag 29.08. um 20.15h.
Kichen & Kino am Samstag 16.11. um 17.30h.

The Wife – Romanverfilmung.

Binnen weniger Wochen erscheinen hierzulande zwei Filme über Frauen, die sich für den Erfolg ihrer berühmten Gatten haben in den Hintergrund rücken lassen, während sie die eigentliche Arbeit verrichtet haben. Erzählt „Colette“ noch ein echtes Schicksal nach, ist „Die Frau des Nobelpreisträgers“ zwar fiktiv, aber mindestens genauso ergreifend und trumpft obendrein mit einer Oscarwürdigen Glenn Close auf.

Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce) sind seit knapp vierzig Jahren scheinbar glücklich verheiratet. Während er zu einem bedeutenden Schriftsteller aufgestiegen ist, hat sie ihm während seiner Karriere stets den Rücken freigehalten und sich vor allem um die gemeinsamen Kinder gekümmert. Nun folgt der Höhepunkt: Joe soll mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden. Dafür reist das Ehepaar gemeinsam mit Sohn David (Max Irons) nach Schweden, wo die Zeremonie stattfinden soll. Doch früh kommt es zu Spannungen zwischen Joe und David, der sich von seinem Vater nie genug gewürdigt gefühlt hat. Und auch zwischen den Eheleuten kriselt es, als der schmierige Journalist Nathaniel Bone (Christian Slater) Joan eines Abends mit seinen Recherchen konfrontiert: Anstatt Joe war es Joan, die für die fiktionalen Ergüsse ihres Mannes zuständig war. Ihr gebühren der Preis und die Anerkennung. Und ganz langsam steigt auch sie dahinter, dass sie jahrelang von Joe ausgebeutet wurde…

Das Schicksal der französischen Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Claudine Colette, dessen filmische Aufbereitung 2019 mit Keira Knightley in der Hauptrolle in die Kinos kommt, beweist: Die von Romanautor Meg Wolitzer erdachte Geschichte über eine Frau, die sich ihr ganzes Leben lang mit dem Schatten ihres Mannes zufriedengeben musste (passend dazu heißt der Film im Original auch einfach nur „The Wife“), ist nicht weit hergeholt.

Darüber hinaus passt die Thematik aber auch einfach ganz hervorragend zum von #MeToo-geprägten Zeitgeist, der seit über einem Jahr eine Sensibilität für die Gleichberechtigung von Frauen in der Unterhaltungsbranche schafft. „Die Frau des Nobelpreisträgers“ spielt anders als das Biopic „Colette“ daher in der Gegenwart, wenngleich sich die in Rückblenden geschilderten Ereignisse, die den Grund aufzeigen, weshalb sich Joan einst so von ihrem Mann in den Hintergrund drängen ließ, natürlich in der Vergangenheit ab – 40 Jahre früher um genau zu sein.

Hier verhandeln Regisseur Björn Runge („Happy End“) und Drehbuchautorin Jane Anderson („Ein amerikanischer Quilt“) Ähnliches wie „Colette“-Regisseur Wash Westmoreland: Vor allem die damals fehlende Aufgeschlossenheit gegenüber von Frauen verfasster Literatur brachte Joan dazu, die von ihr geschriebenen Geschichten offiziell an ihren Gatten abzutreten, der folgerichtig die Lorbeeren dafür einheimsen durfte.