DIE PERFEKTE KANDIDATIN

Vorstellungen

Sonntag
09. August

20:15

Als Emanzipationsgeschichte einer mutigen Ärztin, die sich in Saudi-Arabien politisch engagiert, ist der Film ebenso gelungen wie als Blick in das verborgene Leben der Frauen in einem islamistisch geprägten Land. Auch wenn es im Grunde um Frauenrechte und kulturelle Freiheit geht, beweist Haifaa Al-Mansouri (DAS MÄDCHEN WADJDA, 2012) in ihrem neuen Film, wie man ein anspruchsvolles Thema durchaus unterhaltsam verhandeln kann.

Als Haifaa Al Mansours zauberhaftes Kinodebüt DAS MÄDCHEN WADJDA ins Kino kam, durften Mädchen nicht Fahrrad fahren und Frauen war es verboten, selbst ihr Auto zu lenken. Inzwischen wurde das Fahrverbot für Frauen aufgehoben. Von daher ist die Eröffnungssequenz dieses Films besonders erfreulich, auch wenn sie auf den ersten Blick ganz normal wirkt:

Die Heldin fährt im eigenen Wagen ins Krankenhaus, wo sie als Ärztin arbeitet. Doch spätestens, als sie auf die Zufahrt zur Notaufnahme abbiegt, hat der Spaß ein Ende, denn diese Schlammwüste lässt sich nicht einmal mit viel gutem Willen als Straße bezeichnen. Ein ständiges Ärgernis für Maryam und das ganze Klinikteam, vor allem aber eine Gefahr für die Kranken und die Unfallopfer, die irgendwie durch den Morast kommen müssen.

Maryam hat schon alles versucht, doch weder die Vorgesetzten noch die Stadtverwaltung sieht sich in der Lage, Abhilfe zu schaffen. Hinzu kommt, dass Maryams Arbeit – freundlich ausgedrückt – von ihren männlichen Kollegen und auch von vielen Patienten nicht anerkannt wird. Kein Wunder also, dass sich Maryam anderweitig orientieren möchte und sich für einen Job im weniger konservativen Dubai bewirbt.

Dafür möchte sie zu einem Ärztekongress reisen. Alles ist schon organisiert, doch als Maryam zum Flughafen kommt, wird ihr die Ausreise verwehrt. Sie benötigt dringend die Einwilligung ihres Vaters, der als Vormund seiner erwachsenen Tochter fungiert. Doch Maryams Vater ist Musiker und gerade zu einer längeren Tournee aufgebrochen – zum ersten Mal seit vielen Jahren darf er wieder öffentlich auftreten, denn das Verbot, Musik zu spielen, wurde aufgehoben. Schnelle Hilfe ist also gefragt, und in ihrer Not erinnert sich Maryam an einen Cousin, der auf einem höheren Verwaltungsposten arbeitet.

Um überhaupt eine Chance zu haben, zu ihm zu gelangen, muss sie ein Formular ausfüllen, mit dem sie sich um einen Posten im Stadtrat bewirbt. Der Cousin kann ihr nicht helfen, oder er will es nicht, aber Maryam kommt ins Nachdenken: Warum sollte sie sich nicht tatsächlich als Stadträtin bewerben? Dann könnte sie endlich eine Straße zur Klinik bauen lassen. Gesagt, getan: Im Internet findet sich die Gebrauchsanweisung für eine Wahlkampagne, Maryams flippige Schwester Selma, eine Hochzeitsfotografin, sagt ihre Hilfe zu, und so startet ein höchst ungewöhnlicher Wahlkampf.