EIN VERBORGENES LEBEN

Vorstellungen

Samstag
05. Dezember

17:15

Kaum ein Film wurde im Wettbewerb von Cannes gespannter erwartet als Terrence Malicks „Ein verborgenes Leben“, vor drei Jahren gedreht, seitdem in einer endlos erscheinenden Postproduktion und als Rückkehr zum konventionelleren Kino angekündigt. Dass ist der Epos über einen österreichischen Kriegsverweigerer jedoch nicht, sondern ein visuell überwältigender, philosophisch komplexer Film über Glaube, Zweifel und das eigene Gewissen.

Bis weit nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die Geschichte, war das Schicksal von Franz Jägerstätter praktisch unbekannt. Erst in den 60ern erschien das erste Buch über den Österreicher, der sich weigerte als Soldat einen Eid auf Adolf Hitler zu schwören und dafür 1943 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Im Laufe der Jahre wuchs der Ruf Jägerstätters, Filme wurden über ihn gedreht, er inspirierte unter anderem Daniel Ellsberg zum Protest gegen den Vietnamkrieg und der Veröffentlichung der Pentagon Papers und wurde 2007 selig gesprochen.

„Wir schwebten über den Wolken“ sagt August Diehl als Jägerstätter ganz zu Beginn des Films, wenn er in einer der typischen inneren Monologe Terrence Malicks, das Glück beschreibt, dass er zusammen mit seiner Frau Fani (Valerie Pachner) und den gemeinsamen Kindern lebt. Hoch in der Österreichischen Bergen, im kleinen Ort St. Radegund lebt das Paar ein geradezu paradiesisches Leben, bestellt die Felder, pflückt Obst, pflegt das Vieh. Kaum 60 Kilometer nördlich befindet sich der Obersalzberg, eines der Quartiere Hitlers, ein Kontrast, den Malick durch einige Dokumentaraufnahmen des Mannes andeutet, der Jägerstätters Glaubenskrise verursacht. Denn wie jeder Österreicher wird auch er einberufen, verweigert den Eid und wird zunächst, nachdem die Anfangserfolge des Deutschen Reichs ein schnelles Kriegsende erhoffen lassen, nach Hause geschickt. Doch jedes Mal, wenn der Postbote klingend am Haus vorbeifährt stockt Franz der Atem – und bald kommt tatsächlich der gefürchtete Brief. Der Krieg geht weiter, Franz muss wieder in die Kaserne nach Enns und steht vor einer folgenschweren Entscheidung: Soll er seinem Gewissen folgen und den Eid auf den Mann verweigern, den er als Teufel wahrnimmt? Oder soll er den Befehlen folgen und damit sein Leben retten?