EX LIBRIS – Die Public Library von New York

88 Jahre ist Frederick Wiseman inzwischen alt und arbeitet immer weiter an seinen Dokumentarfilmen, in denen fast immer amerikanische Institutionen im Mittelpunkt stehen. In „Ex Libris – Die Public Library von New York“ ist das nicht einfach eine Bibliothek, sondern ein ganzer Kosmos von Orten des Lernens, des Miteinanders, des Zusammenhalts in Zeiten zunehmender sozialer Spannungen. 198min.

Viele New York-Besucher kennen das markante Hauptgebäude der Public Library, dass sich im Herzen Manhattans befindet, an einem Park gelegen, eine große Treppe, gerahmt von zwei großen Löwen-Skulpturen, markiert den Eingang zu einer Welt des Wissens.

Hier hat Frederick Wiseman viele Szenen seiner jüngsten Dokumentation gefilmt, doch dass sein Fokus nicht etwa auf den banalen Strukturen einer Bibliothek liegt – dem Erwerb, der Archivierung, dem Ausleihen von Büchern und anderen Medien – dürfte Kenner seiner Filme nicht überraschen.

Wiseman gilt als klassischer Vertreter eines inzwischen bedauerlicherweise nicht mehr oft gesehenen Zweig des dokumentarischen Kinos, der sich größter Zurückhaltung auflegt, der nur beobachtet, keine Szenen nachstellt, auf den Einsatz von Interviews, Musik und anderer Stilmittel verzichtet.

Wochen- bzw. monatelang taucht Wiseman stets in eine Institution ein, sei es ein Krankenhaus, eine Schlachterei, Militäranlagen oder Museen, sammelt Material, lässt sich von seinem Gespür leiten und formt das Material dann zu seinen inzwischen meist sehr langen, selten unter drei Stunden langen Filmen.

Diese Länge fordert oft sehr viel Geduld, zumal Wiseman in den letzten Jahren, in Filmen über die liberale kalifornische Elite-Uni „At Berkeley“ oder über den New Yorker Stadtteil „In Jackson Heights“ seine Aufmerksamkeit zunehmend auf die Art und Weise richtete, wie diese Institutionen bzw. Stadtbezirke für und mit den Bürgern arbeiteten.