GLORIA – DAS LEBEN WARTET NICHT

So ausgelassen feierte das Berlinale-Publikum noch selten einen Film wie vor 6 Jahren „Gloria“. Den gesamten Abspann hindurch wurde zum Titelsong von Umberto Tozzi stehend applaudiert. Nun präsentiert der Chilene Sebastián Lelio das US-Remake seiner umwerfenden Frauenpower-Feel-Good-Komödie. Statt „Bären“-Gewinnerin Pauline García übernimmt Julianne Moore die Rolle der resoluten Titelheldin, passend zur cineastischen Cover-Version singt diesmal Laura Branigan den Ohrwurm.

Die geschiedene Gloria will ihrem langweiligen Leben ein bisschen Lust und Liebe abtrotzen. Der elegante Rodolfo wäre der ideale Kandidat für eine Romanze, doch der heiße Liebhaber entpuppt sich als wahrer Waschlappen. Wie beim Original wird das Publikum schnell zum willigen Komplizen, liebt und leidet mit dieser charmanten Heldin heftig mit.

„Never can say goodbye“ dröhnt in der Disco und Gloria kann sich tatsächlich nur schwer von der Tanzfläche verabschieden. Hier tanzt der Bär für die geschiedene Frau um die 60, deren Leben sonst eher langweilig ausfällt. Die Telefonate mit den erwachsenen Kindern scheitern stets am Anrufbeantworter. Der psychopatische Nachbar bringt sie um den Schlaf und auch jene Nacktkatze nervt, die sich chronisch in die Küche schleicht.

Die Lachseminare sorgen auf Dauer auch nicht für viel Frohsinn. Als willkommener Lichtblick erweist sich da der Flirt mit der charmanten Disco-Bekanntschaft Arnold (John Turturro), einem ehemaligen Marineoffizier, der gleichfalls geschieden ist.