GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA

Vorstellungen

Samstag
09. Januar

17:30

In einem der stärksten Filme der letzten Berlinale variiert Teona Strugar Mitevska die Muster des religionskritischen Kinos aus Osteuropa. „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ nimmt als Ausgangspunkt eine Episode, die sich auf dem Balkan, in Nordmazedonien zugetragen hat, und entwickelt sie zu einem satirischen Film über Religion, Machismo und die Rolle der Frau.

In der kleinen Nation Nordmazedonien findet alljährlich ein traditionelles Ritual statt: Am Fest der Heiligen drei Könige – das dem orthodoxen, julianischen Kalender folgend am 19. Januar stattfindet – wird ein kleines Holzkreuz in ein Gewässer geworfen. Meist junge Männer springen in die eisigen Fluten und versuchen das Kreuz zu finden. Wem es gelingt, der hat ein Jahr lang Glück. Frauen dürfen an diesem Ritual nicht teilnehmen, doch im Jahre 2014 fand das Ereignis statt, das Mitevska zum Ausgangspunkt ihres Films nimmt: Eine Frau sprang ins Wasser, fand das Kreuz und löste mit diesem Stich ins Herz der konservativen Traditionen einen Skandal aus.

Im Film heißt diese Frau Petrunya – überzeugend gespielt von der Laiendarstellerin Zorica Nusheva in ihrem ersten Film – ist 32 Jahre alt, ledig und arbeitslos. Zwar ist sie promovierte Historikerin, doch mit solch einen esoterischen Metier hat sie kaum eine Chance auf eine Anstellung. Zumal die Strukturen der Gesellschaft von Männern geprägt sind, die sich ihrer Macht sehr bewusst sind. Bei einem Vorstellungsgespräch empfängt der Chef einer Fabrik Petrunya da etwa in einem Glaskasten, inmitten von dutzenden Angestellten, so dass seine Rolle als Hahn im Korb überdeutlich wird.