GREEN BOOK – EINE BESONDERE FREUNDSCHAFT

Soeben mit 3 Oscar’s Ausgezeichnet…u. a. Bester Film.

Die stärksten Storys schreibt bekanntlich das Leben. So wie diese um einen latent rassistischen Einfaltspinsel, der in den 60er Jahren als Chauffeur für einen sehr gebildeten, schwarzen Musiker anheuert. Die Tour führt in den tiefsten Süden der USA – und die Abgründe der alltäglichen Diskriminierung. Aus dem ungleichen Duo werden alsbald ziemlich beste Freunde.

In diese Freundschaft eingeschlossen wird auch der Zuschauer. Die beiden Helden haben durchaus ihre Ecken und Kanten. Ihrem unheimlichen Charme wird man freilich kaum widerstehen. Ebenso wenig der warmherzigen Botschaft. In zynischen Zeiten von Hass und Häme, werden humanistische, bewegende Filme zu publikumsträchtigen Leuchttürmen auf der Leinwand. Vergnüglichstes Arthaus-Kino in Bestform!

Sein Solo-Debüt widmet Farrelly einer wahren Geschichte aus den 60er Jahren. Der sonderbare Titel verweist auf ein beschämendes Zeitdokument des alltäglichen Rassismus: „Green Book“ hieß einst jener bis 1966 jährlich erscheinende Reiseführer für Afroamerikaner, der Unterkünfte in den USA empfahl, in der auch Schwarze geduldet waren.

Dem Italo-Amerikaner Tony Lip (Viggo Mortensen in einer Glanzparade) macht keiner so schnell etwas vor. Mit kleinen Tricks verschafft er sich zielsicher das Wohlwollen einflussreicher Gäste in jenem Club, in dem er als Türsteher tätig ist. Resolutes Auftreten oder ein paar Faustschlägen sorgen bei weniger wichtigen Gäste für Respekt.

Als der Club vorübergehend schließt, braucht Tony dringend einen neuen Job. Wie passend, dass Doktor Shirley gerade einen Chauffeur sucht. Etwas verwundert reagiert der Ex-Türsteher, als das Vorstellungsgespräch in der Carnegie Hall stattfinden soll. Noch mehr verblüfft ihn, dass es sich um gar keinen Mediziner handelt, sondern um den Star-Pianisten Dr. Don Shirley (Mahershala Ali). Ausgerechnet Tony soll für einen Afroamerikaner arbeiten?

Hat er doch gerade noch in seinem Haus die benutzten Gläser der schwarzen Handwerker angewidert im Müll entsorgt. Doch zweitens ist der Lohn verlockend. Und erstens drängt Gattin Dolores ihn zum neuen Job – da hat der italienische Macho keine Wahl.