LITTLE WOMAN

Gut 150 Jahre, nachdem Louisa May Alcott ihren Roman „Little Women“ veröffentlicht hat, gibt es eine neue Adaption, die mit Spannung erwartet wurde, weil Greta Gerwig, die Queen des Independent-Kinos, nicht nur die Regie führte, sondern auch das Skript verfasst hat. Sie nähert sich der Geschichte um vier junge Frauen sehr behutsam und mit einem unvergleichlichen Gefühl von Nostalgie. Denn Gerwig hat die Struktur des Romans aufgebrochen und arbeitet sehr stark mit Rückblenden, so dass die emotionalen Highlights immer wieder einander gegenübergestellt werden.

Zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs wachsen die March-Schwestern Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Beth (Eliza Scanlen) und Amy (Florence Pugh) in einem Heim auf, in dem man zwar auf den im Krieg weilenden Vater verzichten muss, in dem ihre Mutter Marmee (Laura Dern) sie aber ermutigt, ihren Passionen zu folgen. Meg möchte heiraten und eine Familie haben, Beth kümmert sich aufopferungsvoll um Familie und Nachbarn, Amy möchte eine große Malerin werden und Jo, die von Kindesbeinen an Geschichten geschrieben hat, möchte eine große und berühmte Schriftstellerin werden. Sie will damit auch reich und unabhängig werden, lebt sie doch in einer Zeit, in der Frauen nur wenige Möglichkeiten offenstanden und man von ihnen erwartete, dass sie heiraten.

Eine Szene ist dabei bezeichnend, als die von Meryl Streep gespielte Tante March Amy erklärt, wie das Leben einer Frau aussieht, selbst, wenn sie reich ist. Wählen darf sie sowieso nicht, aber wenn sie heiratet, geht all ihr Besitz auf ihren Mann über. Selbst die gemeinsamen Kinder sind die Seinen, während die Frau von ihm abhängig ist. Diese Szene findet sich im Buch nicht, Streep ermutigte Gerwig jedoch, sie in den Film aufzunehmen, um modernen Zuschauern zu vermitteln, was es damals hieß, eine Frau zu sein.