Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

Geplant ab 12.10.18

Die „Augsburger Puppenkiste“ hat es schon getan, Campino sowie Kult-Schlagerist Dieter Thomas Kuhn ebenfalls: Die „Dreigroschenoper“ aufgeführt. Auf die Leinwand gefunden hat es das überaus populäre Stück von Brecht und Weill seit der Premiere vor 90 Jahren hingegen nur selten. Weshalb das so ist, das erklärt dieses Opus, das Realität und Fiktion virtuos verschmelzen lässt. Da ist zum einen der Brecht, der sich mit der Filmindustrie anlegt und seine ganz eigene Vision verfilmen will. Zum anderen, parallel dazu, jene bekannte Dreigroschenoper mit dem Gangster Macheath, dem Bettlerkönig Peachum sowie dessen hübscher Tochter Polly. Für die Besetzung des Kunst-Revoluzzers Brecht kann es natürlich nur einen geben: Jener laut Selbstauskunft „beste Schauspieler der Welt“, nämlich Lars Eidinger. An dieser Verfremdungs-Wundertüte hätte Brecht wohl sein Vergnügen gehabt. Ein mutiger großer Wurf, der dem deutschen Kino guttut!

Darsteller: Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król..

„Dieser Film erzählt die Geschichte eines nie gemachten Films und gibt den Künstlern ihre Stimme: einem jungen, wilden Kollektiv, das mit seiner Kunst die großen gesellschaftlichen Fragen stellt und einen Welterfolg schafft. Alles, was Brecht im Film sagt, beruht auf Zitaten aus seinem gesamten Werk und Leben.“ Ein bisschen Vorwissen vor dem Vorspann kann kaum schaden. Zumal die originelle Idee, ausschließlich Original-Zitate zu verwenden, den Aussagen des Lars Eidinger als Brecht gleich einen ganz besonderen Stellenwert verleiht.

Am Anfang ist der Streit. Und der fällt heftig aus bei der Generalprobe von „Die Dreigroschenoper“ am Theater am Schiffbauerdamm. „Ist doch Quatsch, ist doch albern Herr Brecht!“, meckert Mackie Messer alias Tobias Moretti. „Das ganze Stück ist doch eine Sauerei!“ klagen andere. Doch die Premiere am 31. August 1928 gerät zum sensationellen Triumph und wird zum größten Theatererfolg der Weimarer Republik avancieren. Prompt will ein findiger Film-Produzent den populären Stoff ins Kino bringen. Brecht sollte die Grundlage für das Drehbuch liefern. Sein radikales Exposé „Die Beule – Ein Dreigroschenfilm“ sorgt bei der Nero-Film AG freilich für Entsetzen. Der Autor verweigert sich mit genüsslichem Trotz den Regeln der Filmindustrie. „Wer die Handlung nicht gleich begreift, braucht sich nicht den Kopf zu zerbrechen. Sie ist unverständlich. Wenn Sie nur etwas sehen wollen, was einen Sinn macht, dann müssen Sie auf das Pissoir gehen. Der Eintrittspreis wird auf keinen Fall zurückerstattet“, spricht er das werte Publikum direkt an.