PERSISCHSTUNDEN

Geplant ab 01.10.20

„Erfindung einer Sprache“ nennt sich eine 2008 vom für seine Drehbücher bekannten Wolfgang Kohlhaase aufgeschriebene und bereits als Hörspiel umgesetzte Erzählung. Der US-kanadische Regisseur Vadim Perelman hat sie als Kammerspiel für die Leinwand adaptiert, Lars Eidinger brilliert darin als Kommandant der Küche eines Übergangslagers, der sich von einem Gefangenen die persische Sprache Farsi beibringen lässt, weil er nach dem Krieg in den Iran auswandern und ein Restaurant eröffnen will. Was der Hauptsturmführer nicht weiß: die Wörter, die er lernt, sind eine reine Phantasiesprache. Ob die Sache gut gehen wird, daraus zieht „Persischstunden“ seine Spannung.

Die Story im Grunde ist simpel, der Stoff explosiv, von seiner Wirkung ein Schelmenstück, die Hintergrundkulisse jedoch nicht frei von Beklemmung. Als der junge Belgier Gilles 1942 zusammen mit anderen Juden von der SS verhaftet und in ein Übergangslager gebracht wird, bietet sich ihm durch ein kurz zuvor in seinen Besitz gelangtes persisches Buch eine ungeahnte Chance. Hauptsturmführer Klaus Koch (Lars Eidinger), zuständig für die Lagerküche, sucht jemanden, der ihm Farsi beibringen kann. Gilles ist da quasi der Sechser im Lotto, sich in einer Notlüge als Perser auszugeben, Reza zu nennen und der Sprachlehrer zu werden, eine Win-Win-Situation für beide. Dass der junge Häftling zudem in der Schreibstube für die Erfassung der Namen aller neu eintreffenden Gefangenen zuständig ist, hilft ihm bei seinem durchaus irrsinnigen Auftrag. Denn bis Kriegsende, so stellt es sich der SS-Mann Klaus Koch vor, soll sein Wortschatz 2000 Wörter und Begriffe umfassen. Wort für Wort muss Gilles eine Sprache erfinden, die er nicht beherrscht.

Dass der Schwindel auffliegen könnte, daraus zieht die Geschichte ihre Spannung. Der Alltag des Vernichtungshorrors schwingt in der kammerspielartigen und in akkuraten Bildern gestalteten Verfilmung als Hintergrundrauschen mit. Die Bedrohung für den „Sprachenschwindler“ erhöht sich nicht allein nur dadurch, dass sein durchaus kreatives Spiel auffliegen könnte, sondern auch aus der Missgunst diensteifriger und ideologisch eingestellter Soldaten und Lagermitarbeiterinnen, die in Nebenrollen aus Hass, Eifersucht und purer Rachlust an der Spannungsschraube mitdrehen.