SHOPLIFTERS – FAMILIENBANDE

Bei seinem siebten Streich in Cannes hat es für Hirokazu Kore-eda geklappt: Die Goldene Palme für sein großartig sensibles Drama „Shoplifters“. Wie so oft geht es dem japanischen Meisterregisseur um Familie und gesellschaftliche Außenseiter. Ein Ladendieb und eine Arbeiterin finden nachts auf der Straße ein vernachlässigtes Mädchen und nehmen es spontan bei sich auf.

Kleine Leute mit großem Herzen demonstrieren wie Würde geht und Solidarität – just in jenem Japan, wo gnadenloser Konkurrenzkampf und rigoroser Leistungsdruck das Leben beherrschen. Ein berührendes Lehrstück in Humanismus und Nächstenliebe – ganz ohne Zeigefinger oder moralinsaure Predigt. Premierminister Shinzo Abe wollte dem Regisseur nicht zur Palme gratulieren. Das übernahm das Volk und bescherte dem Drama das beste Kassenergebnis eines japanischen Films in diesem Jahr.

Sie sind eingespieltes Team. Vater und Sohn baldowern beim gemeinsamen Laden-Diebstahl im Supermarkt geschickt aus, wie die Einkaufsliste lässig für lau abgehakt werden kann. Als raffinierte Mini-Meisterdiebinnen erweisen sich auch die beiden kleinen Mädchen im Angler-Geschäft: Sie ziehen einfach kurz den Stecker der Diebstahlsicherung an der Ladentür und haben die fette Beute am Haken. Der Erlös beim Hehler wird die Patchwork-Familie einige Tage über die Runden kommen.