DIE GESCHICHTE MEINER FRAU

GEPLANT… Abgedruckte Anfangszeiten verändern sich in der Spielwoche 09.12. – 15.12.21 Genaue Termine ab Montag 06.12. hier!

Auf dem Papier mutet „Die Geschichte meiner Frau“ unfehlbar an: Die gerade mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete Ildikó Enyedi verfilmt einen der berühmtesten Romane Ungarns mit internationaler Besetzung. Doch das Ergebnis enttäuscht, ist mit fast drei Stunden überlang und kann nur in Momenten die Kraft der Romanvorlage einfangen.

Es gibt viele Gründe zu heiraten, dass eine Ehe gegen Magenbeschwerden hilft dürfte zu den ungewöhnlicheren zählen. Sein Koch gibt Jacob Störr (Gijs Naber), Kapitän von schweren Cargo-Schiffen, jedoch genau diesen Rat, als Störr einmal mehr über Magenschmerzen klagt. Als Störr dann etwas später mit seinem zwielichtigen Bekannten Kodor (Sergio Rubini) in einem Restaurant sitzt, sagt er nur halb im Scherz, dass er die erste Frau heiraten wird, die durch die Tür treten wird. Eine etwas unansehnliche Matrone macht gerade noch kehrt und dann lässt das Schicksal Lizzy (Léa Seydoux) den Raum betreten. Kurz entschlossen spricht Störr sie an – und ist überrascht, dass Lizzy einwilligt, ihn zu heiraten. Aus dem spontanen, auch ein wenig willkürlichen Akt, wird eine Ehe geboren, die von Eifersucht und Misstrauen geprägt ist, in der Störr Monate abwesend ist, innige Zuneigung von zunehmender Aversion abgelöst wird und am Ende die Liebe siegt, doch erst als es viel zu spät ist.

1942 veröffentlichte der ungarische Lyriker und Philosoph Milán Füst seinen einzigen Roman „Die Geschichte meiner Frau“, der zu den bedeutendsten Werken der ungarischen Literatur des 20. Jahrhunderts zählt und seinen Autor auf die Liste der Nobelpreis-Kandidaten brachte. Dass sich nun die bedeutendste ungarische Regisseurin unserer Zeit an eine Adaption wagt liegt also nah, zumal der weibliche Blick Ildikò Enyedis der aus männlicher Sicht geschriebenen Geschichte eine besondere Note verleihen sollte.