MISSION ULJA FUNK

Vergnüglicher Kinderspaß und feinsinnige Unterhaltung: Mit ihrem Debüt hat Barbara Kronenberg eine wundervolle Komödie vorgelegt. Mit Seitenhieben auf sektenartige Gemeinden jeder Art, aber auch liebevollem Augenzwinkern schickt die Regisseurin eine 12-jährige Jungforscherin und einen 13-jährigen Autofreak auf eine turbulente Reise, inklusive witziger Anspielungen auf die Filmgeschichte und den aktuellen Zeitgeist.

Kindergottesdienst in einer freikirchlichen Gemeinde: Der Nachwuchs darf seine Talente in einer Art Varieté vortragen. Manche hüpfen ganz leidlich über die „Bühne“, andere scheitern grotesk. So wie die älteren Brüder von Ulja (Romy Lou Janinhoff), deren angeblich zersägtes Huhn der magischen Holzkiste längst entfleucht ist und munter herumflattert. Die frommen Kirchgänger nehmen derartige Missgeschicke ihrer Töchter und Söhne nicht krumm. Nur Ulja trifft der Zorn des Pastors (Luc Feit) wie ein gottgesandter Blitz. Die Zwölfjährige wagt es, als superschlaue Astronomin den Schöpfungsgedanken in Zweifel zu ziehen.

In ihrem Vortrag rechnet Ulja dem staunenden Publikum vor, dass der von ihr entdeckte Mini-Meteorit VR-24-17-20 in vier Tagen exakt im weißrussischen Patschurk einschlagen werde, genau 1257 Kilometer entfernt. Das müsse sich die Gemeinde unbedingt aus der Nähe anschauen. Unverschämte Gotteslästerung, wettern da der Pastor und Uljas streng religiöse Oma Olga (Hildegard Schroedter). Kurzerhand beschlagnahmen sie das Fernrohr des kecken Mädchens und anderes wissenschaftliches Gerät. Doch die zielstrebige Jungforscherin heckt Mittel und Wege aus, ihren Willen trotzdem durchzuboxen. Mit einem Kuhhandel bringt sie den 13-jährigen Henk (Jonas Oeßel) dazu, sie Richtung Osten zu fahren, ausgerechnet in dem von der Gemeinde geliehenen Leichenwagen, der in der Garage von Uljas Eltern steht.

Regisseurin Barbara Kronenberg hat ein Händchen für Komödien. Mit perfektem Timing, spitzen Dialogen und schräger Situationskomik überspielt sie die gewagten Prämissen ihrer Geschichte, die sich nur in der Zusammenfassung hölzern anhören. Oft reicht eine kurze Szene, um Charaktere zu skizzieren und Figurenkonstellationen zu umreißen. Etwa wenn der minderjährige Henk in einem aufgemotzten Poser-Auto die Dorfstraße entlangrast und ein quietschendes Schleudermanöver hinlegt. Oder wenn die beiden Kinder unbehelligt die offene Grenze nach Polen überschreiten und sich Henk darüber beklagt, das im ehemaligen Ostblock überhaupt keine Panzer auffahren und sowieso keinerlei Action angesagt ist. Kaum ausgesprochen, taucht im Rückspiegel schon ein unverschämter Drängler auf, der für neue Turbulenzen und einen weiteren Running Gag sorgt.

Ab 6 J. / 92min.