OECONOMIA

Geplant…

Es ist eine einfache Frage, die den Grundstein dieses Dokumentarfilms bildet und einige Ökonomen vor die Schwierigkeit stellt, eine wirklich befriedigende Antwort zu geben: „Woher kommt das Geld eigentlich?“ In der Ultima Ratio ist die Antwort auch einfach: Es wird geschöpft. Oder anders: Es entsteht bei der Europäischen Zentralbank aus dem Nichts heraus. In ihrem Dokumentarfilm „Oeconomia“ betrachtet Carmen Losman unser Wirtschaftssystem und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis.

Der Film ist ausgesprochen komplex, weil er sich mit einem Thema befasst, das ebenfalls sehr komplex ist. Er zeigt die Spielregeln auf, nach denen der Kapitalismus funktioniert. Profit macht man nur, wenn Schulden gemacht werden. Das gilt für Staaten, aber auch für Privathaushalte. Wenn nicht genügend Leute Schulden machen, gibt es nicht genug Gewinne. Gibt es keine Gewinne, gibt auch niemand Kredite aus. Das Wirtschaftssystem ist zu einem gefährlichen Kreislauf geworden, an dessen Ende es keine Gewinner geben kann.

Denn der Profit von heute wird zu den Schulden von morgen, so am Ende die bittere Erkenntnis. Aber nicht nur das. Losmann gelingt es in ihrem faszinierenden Film auch aufzuzeigen, dass zwei Systeme im krassen Kampf miteinander liegen. Die Ökonomie auf der einen Seite, der Kapitalismus auf der anderen – eines von beiden wird unweigerlich irgendwann zusammenbrechen. Die Frage ist nur,welches? Und wann?

Das Wirtschaftssystem ist zu einer Art Nullsummenspiel geworden, weil jeder Gewinn auch neue Schulden bedeutet. Es ist ein Kettenbriefsystem, das solange funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert. Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie Experten auf diesem Gebiet ins Schlingern kommen, wenn Losmann einfache Fragen stellt. Irgendwie ist es auch beängstigend, weil wir alle uns in der Spirale des ewigen Wachstums befinden, wohlwissend, dass nichts ewig wachsen kann.