VOR MIR DER SÜDEN

Vorstellungen

Donnerstag
22. Juli

20:15

Freitag
23. Juli

20:00

SOMMERFILMTAGE 2021

Eine schöne Idee: 1959 umrundete der Autorenfilmer Pier Paolo Pasolini („Medea“) die italienische Küste in einem klapprigen Fiat Millecento, sechzig Jahre später fuhr nun der renommierte Dokumentarist Pepe Danquart („Lauf Junge lauf“) dieselbe Route ab. Was hat sich seither verändert, wo liegen neue Schwerpunkte, Themen, Ansichten? „Vor mir der Süden“ ist ein multiperspektivischer Reisedokumentarfilm geworden, eine neunwöchige Entdeckungsreise, bei der die Vergangenheit als Blaupause hinter aktuellen Beobachtungen liegt.

Schon mit seinem Kurzfilm „Schwarzfahrer“ von 1994 gewann Pepe Danquart einen Oscar. Es folgten hoch gelobte Sportdokumentationen wie „Am Limit“ und das Politiker-Porträt „Joschka und Herr Fischer“. Der in Singen geborene Regisseur ist als Dokumentarist also sehr erfahren, was seinem neusten Film anzumerken ist. Das Thema des Reisefilms ist offener und zufallsgesteuerter als Danquarts bisherige Projekte – und doch gelingt es, aus der Idee einen atmosphärischen, handfesten Film zu montieren, der sich keineswegs als reine Huldigung an den 1975 ermordeten Meisterregisseur Pier Paolo Pasolini erschöpft. Danquart nutzt den Startimpuls für einen frischen Blick auf die seit den 1960er-Jahren veränderten italienischen Küstenregionen und der Menschen vor Ort.

Der Plan ist so simpel wie ergiebig: Im Sommer 1959 setzte Pasolini in einem Fiat Millecento zur Umrundung der italienischen Küste an. Pepe Danquart folgte nun sechzig Jahre später derselben, rund 3000 Kilometer langen Route von Ventimiglia über Sizilien bis Triest, begleitet von einem kleinen Kernteam und dem Kameramann Thomas Eirich-Schneider („Das Kongo Tribunal“). Der Plan sieht vor, die gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Umbrüche der letzten Jahrzehnte nachvollziehen. Wie sehen die Strände im Zeitalter des Massentourismus aus? Wie machen sich die Flüchtlingsbewegungen bemerkbar, wie der längst potenzierte Konsumismus? Kurzum: Wie denken und fühlen die Italienerinnen und Italiener viele Jahre nach Pasolinis Reise?