WAS WILL DER LAMA MIT DEM GEWEHR?

Vorstellungen

Dienstag
13. August

20:00

Mittwoch
14. August

20:00

Wie in seinem zauberhaften Kinodebüt „Lunana – Das Glück liegt im Himalaya“ (2019) geht es auch in Pawo Choyning Dorjis neuem Film um das kleine Königreich Bhutan, das nach Modernisierung strebt: Gleich nach Fernsehen und Internet soll auf Befehl des Königs die Demokratie in Bhutan eingeführt werden.
Und wieder ist Pawo Choyning Dorji eine großartige Komödie gelungen, die scheinbar harmlos und beinahe niedlich daherkommt, aber nicht an kritischen Anspielungen in Richtung Kapitalismus und Globalisierung spart: eine entzückende Satire!

Der Film spielt im Jahr 2006, als der König von Bhutan seine Abdankung ankündigt, damit sein Land eine Demokratie werden kann. Dafür soll das Volk von Bhutan angemessen vorbereitet werden: Es sollen Testwahlen stattfinden, bei denen so ungewohnte Verrichtungen wie die Stimmabgabe erstmal ausprobiert werden können, ebenso wie der Wahlkampf, den drei fiktive Parteien gegeneinander führen sollen. Eine echte Herausforderung angesichts der unerfahrenen Landbevölkerung, aber die engagierte Wahlleiterin Tshering Yangden (Pema Zangmo Sherpa) gibt ihr Bestes, damit die ersten demokratischen Wahlen in Bhutan ein Erfolg werden. Womit sie nicht gerechnet hat, ist: Die Wahlen wecken auch Begehrlichkeiten, wenn es nicht nur um Möglichkeiten der Mitbestimmung, sondern auch um Posten, Ruhm und Geld geht. Parallel dazu wird die Geschichte des Mönchs Tashi (Tandin Wangchuk) erzählt, der im Auftrag seines Lamas bis zum nächsten Vollmond zwei Gewehre beschaffen soll. Wofür die Gewehre benötigt werden, bleibt im Dunkeln, aber als gehorsamer Mönch erfüllt Tashi seinen Auftrag. Dabei ahnt er nicht, dass die beiden einzigen Gewehre, die er in dem friedliebenden Land finden kann, auch die Aufmerksamkeit eines aufgeweckten Händlers (Tandin Sonam) geweckt haben.

Den Hintergrund bilden wieder die majestätischen Gipfel des Himalaya, während im Vordergrund die drei Personen stehen. Pawo Choyning Dorji erzählt zusätzlich zu seiner starken Story wieder viel vom Alltag in Bhutan, diesem kleinen Land mitten im Himalaya, übrigens der einzige Staat, der tatsächlich klimaneutral lebt und, wie wir seit „Lunana“ wissen, auch deshalb einmalig, weil er das „Bruttonationalglück“ und nicht die Wirtschaftskonjunktur als Faktor für die Entwicklung des Landes festlegt. Da es in Bhutan mit seinen knapp 800.000 Einwohnern keine Schauspielszene gibt, hat Dorji wieder mit Laiendarstellern gearbeitet, die ebenso wie in „Lunana“ so natürlich und ungekünstelt spielen, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Die bewährte Kameraarbeit von Jigme Tenzing fängt wunderbare Landschaftsbilder ein, in denen immer mal deutlich wird, wie klein der Mensch gegenüber der Natur ist. Er präsentiert das Land Bhutan in seiner ganzen Vielfalt und Schönheit – idyllische Bergdörfer, ein buddhistisches Kloster, das am Felsen klebt, sattgrüne Täler, eisige Höhen und ein Regenbogen, der sich übers Land spannt.

Ab 0 J. / 107min.